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Rudolf Steiner

Rudolf Steiner ist der Begründer der Waldorfpädagogik und damit der Waldorfschulen. Sein Lebenslauf dokumentiert sein vielfältiges und reiches Schaffen, sowie die wesentlichen Stationen seines Lebens.

 

Kraljevic - Neudörfl 

Rudolf Steiner1861-1879

Am 25. oder 27. Februar 1861 wird Rudolf Josef Lorenz Steiner als erstes Kind der aus Niederösterreich stammenden Eheleute Franziska und Johann Steiner in Kraljevec (damals Österreich-Ungarn, heute Kroatien) geboren.  Die Familie erweitert sich 1864 um seine Schwester Leopoldine und 1866 um seinen Bruder Gustav. Der Beruf des Vaters, zunächst Telegraphist, dann Stationsvorsteher bei der österreichischen Südbahn, veranlasst die Familie zu mehreren Wohnungswechseln: 1862 nach Mödling, 1863 nach Pottschach und 1869 nach Neudörfl. Ab dem Schuljahr 1872/73 erfolgt der Besuch der Landesoberrealschule im benachtbarten Wiener Neustadt, wo er 1879 das Abitur mit Auszeichnung macht.

Wien

1879-1883

Rudolf Steiner studiert an der Technischen Hochschule zunächst mit dem Ziel des Realschullehramtes die Hauptfächer Mathematik, Physik, Botanik, Zoologie und Chemie, sowie daneben Literatur, Geschichte und Philosophie.

1882

 Auf Empfehlung des Literaturhistorikers und Goetheforschers Prof. Karl Julius Schröer erfolgt die Berufung als Herausgeber von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften in Kürschners "Deutsche National-Litteratur" (sic!). Die Abhandlung "Einzig mögliche Kritik der atomistischen Begriffe" bezeichnet Steiner später als den "Grundnerv" seiner Forschungen.


1884-1890

Steiner arbeitet als Hauslehrer in der Wiener Kaufmannsfamilie L. Specht.

Der erste von Steiner bearbeitete Band von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften erscheint 1884, die weiteren Bände 1887-1897.

Steiner pflegt eine Freundschaft mit der Dichterin und späteren Frauenrechtlerin Rosa Mayreder ("Kritik der Weiblichkeit") und Friedrich Eckstein. Später wird er Sekretär und Biograph von Anton Bruckner und mit dem Philosophen Eduard von Hartmann führt er einen regen Briefwechsel. Neben der Arbeit an der Goethe-Ausgabe verfasst er auch zahlreiche Artikel für verschiedene Lexika (u.a. Pierers Konversations-Lexikon) im Auftrag von Prof. Kürschner.

 

1886 erfolgt die erste Buchveröffentlichung mit dem Titel "Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung". Rudolf Steiner erhält darauf eine Anfrage des Weimarer Archiv-Direktors Erich Schmidt für eine Mitarbeit an der Weimarer Ausgabe von Goethes Werken, der sogenannten "Sophienausgabe". Weiters erscheint die Abhandlung "Die Natur und unsere Ideale", ein "Sendschreiben" an die Dichterin M. E. delle Grazie.

 

1888 wird Steiner Redakteur bei der Wiener "Deutschen Wochenschrift", wo er zahlreiche Artikel und Kommentare zu politischen Ereignissen in Österreich-Ungarn verfasst. Desweiteren hält er einen Vortrag im Wiener Goethe-Verein über Goethe als Vater einer neuen Ästhetik.

 

Weimar

Rudolf Steiner 11890-1897 ist Steiner Mitarbeiter am Goethe- und Schiller-Archiv und es erfolgt die Herausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes, die zwischen 1891 und 1896 erscheinen.

In diese Zeit fallen auch die Begegnungen mit Herman Grimm, Ernst Haeckel, Eduard von Hartmann, sowie die Freundschaften mit der Dichterin Gabriele Reuter, dem Liszt-Schüler Conrad Ansorge, dem Stirner-Biographen John Henry Mackay und dem Dichter Otto Erich Hartleben.

Für die "Cotta´sche Buchhandlung der Weltliteratur" besorgt Steiner eine zwölfbändige Ausgabe sämtlicher Werke Schopenhauers sowie eine Jean-Paul-Ausgabe in acht Bänden. In der Reihe "Berliner Klassiker Ausgaben" (mit Einleitungen namhafter Literaturhistoriker) erscheinen die Werke Wielands und Uhlands, herausgegeben und eingeleitet von Rudolf Steiner.

1891-1892 erfolgt die Promotion zum Dr. phil. an der Universität Rostok bei Prof. Heinrich von Stein mit einer Arbeit über "Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichtes Wissenschaftslehre". "Prolegomena zur Verständigung des philosophierenden Bewusstseins mit sich selbst" erscheint 1892 unter dem Titel "Wahrheit und Wissenschaft, Vorspiel einer Philosophie der Freiheit" und ist Eduard von Hartmann gewidmet.

1893 erscheint "Die Philosophie der Freiheit. Grundzüge einer modernen Weltanschauung".

1894-1896 arbeitet Steiner auch im Nietzsche-Archiv, wo er auch die Bekanntschaft mit dem kranken Friedrich Nietzsche und dessen Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche macht, die Steiner als Mitherausgeber der Werke ihres Bruders gewinnen will. 1895 erscheint die Schrift "Friedrich Nietzsche, ein Kämpfer gegen seine Zeit".

1897 gibt Steiner eine zusammenfassende Darstellung seiner bisherigen Goethe-Studien  in seinem Werk "Goethes Weltanschauung".


Berlin

1897-1900 ist Steiner Herausgeber und Redakteur des "Magazin für Literatur" und der "Dramaturgischen Blätter", einem Sprachrohr des deutschen Bühnenvereins. Zahlreiche Aufsätze zu literarischen und philosophischen Fragen, Theaterkritiken und Buchbesprechungen folgen.


1898-1905 hält Steiner Vorträge in der "Freien literarischen Gesellschaft", im "Giordano Bruno-Bund", bei Gewerkschaftsveranstaltungen und im Literatenkreis "Die Kommenden", dessen Leitung er nach dem Tod Ludwig Jacobowskis übernimmt.

In dieser Zeit begegnet er Else Lasker-Schüler, Peter Hille, Stefan Zweig, Käthe Kollwitz, Erich Mühsam, Paul Scheerbart und Frank Wedekind. Ludwig Jacobowski und Otto Erich Hartleben ist er freundschaftlich verbunden.

1899 veröffentlicht er zahlreicher Aufsätze, darunter Goethes Märchen von der Grünen Schlange und der schönen Lilie, ferner "Der Egoismus in der Philosophie" und "Haeckel und seine Gegner". In diesem Jahr heiratet Rudolf Steiner Anna Eunike; sie stirbt 1911.

1899-1904 übernimmt Steiner eine Lehrtätigkeit (Geschichte, Redeübungen, Literatur, Naturwissenschaft) an der von Wilhelm Liebknecht begründeten Berliner Arbeiterbildungsschule, ab 1902 auch in Spandau. Es kommt zu Begegnungen mit Kurt Eisner und Rosa Luxemburg.

1900 erscheint der erste Band der "Welt- und Lebensanschauungen im neunzehnten Jahrhundert", ein Jahr später folgt der zweite. Überarbeitet und erweitert erscheint dieses Werk 1914 unter dem Titel "Die Rätsel der Philosophie in ihrer Geschichte als Umriss dargestellt". Steiner hält Vorträge in der Theosophischen Bibliothek über Nietzsche und Goethes "Märchen". Im Herbst beginnt der erste Vortragszyklus zum Thema "Die Mystik".

1902 kommt es zur ersten Begegnung mit Marie von Sievers, die Rudolf Steiners engste Mitarbeiterin wird. Sie hatte zuvor eine Ausbildung in französischer Rezitationskunst am Pariser Konservatorium und in dramatischer Kunst in Petersburg absolviert. Sie übersetzte mehrerer Werke von Eduard Schure.

1901-1902 erscheint "Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zu modernen Weltanschauungen". Im Herbst beginnt die zweite Vortragsreihe in der Theosophischen Bibliothek über "Das Christentum als mystische Tatsache", welche 1902 veröffentlicht wird. Es kommt zur Begegnung mit Annie Besant.

Ab Oktober 1902 ist Steiner der Generalsekretär der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft.

1902-1904 übt er eine Lehrtätigkeit an der von den "Friedrichshagenern" Bruno Wille und Wilhelm Bölsche begründeten Freien Hochschule aus.

1902-1912 baut Steiner zusammen mit Marie von Sievers theosophischer Logen im In- und Ausland auf. In seiner regen Vortragstätigkeit – sowohl öffentlich als auch im Kreise der Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft – vertritt er nicht die von allen östlichen Traditionen verpflichtete Theosophie, sondern eigene Forschungsergebnisse, nimmt aber immer wieder Bezug auf die klassische theosophische Literatur (Blavatsky u.a.).

Es folgt die Gründung, Herausgabe und Redaktion der Monatschrift "Luzifer" später "Luzifer-Gnosis" (1903). Dort erscheinen grundlegende Aufsatzfolgen, darunter "Wie erlangt man Erkenntnis der höheren Welten?", "Theosophie und soziale Frage", "Aus der Akasha-Chronik" und "Die Stufen der höheren Erkenntnis". Die Aufsätze erscheinen später auch in Buchform.

Steiner befreundet sich mit Christian Morgenstern und Edouard Schure. W. Kandinsky hört Vorträge Rudolf Steiners. Jeweils im Winterhalbjahr (ab 1903/1904) hält er öffentliche Vortragsreihen im Berliner Architektenhaus, u.a. über "Ursprung und Ziel des Menschen", "Metamorphosen des Seelenlebens" und  "Antworten der Geisteswissenschaften auf die großen Fragen des Daseins".

1904 erscheint "Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung".

1907 erfolgt in München die Einstudierung und Inszenierung von Schures "Das heilige Drama von Eleusis" mit Marie von Sievers in der Hauptrolle.

1910 veröffentlich Steiner die Forschungsergebnisse zu kosmologischen und evolutionsgeschichtlichen Fragen in "Die Geheimwissenschaften im Umriss".

1910-1913 führt Rudolf Steiners vier Mysterien-Dramen unter seiner Leitung in München auf.

Der Entwurf eines Gebäudes (Johannes-Bau) für künstlerische Darbietungen und Veranstaltungen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaften in München-Schwabing scheitert am Widerstand der Behörden.

Es erscheinen "Die geistige Führung des Menschen", "Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen" und "Die Schwelle der geistigen Welt". Die 1910 begonnene Schrift "Anthroposophie" bleibt unvollendet.

1911 beginnt Steiner mit der Entwicklung einer neuen Bewegungskunst, der erste Eurythmiekurs findet in Bottmingen bei Basel statt. In den folgenden Jahren entwickelt er zusammen mit Marie von Sievers die Eurythmie zur Bühnenkunst.

1913 kommt es zur Trennung von der Theosophischen Gesellschaft und der Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft. Es folgen zahlreiche Vortragsreisen und - in enger Zusammenarbeit mit Marie von Sievers - der Aufbau anthroposophischer Zweige im In- und Ausland.

Dornach

Goeth011913-1919 Unter Rudolf Steiners Leitung und der Mitarbeit zahlreicher Künstler aus verschiedenen Ländern erfolgt die Errichtung des von ihm entworfenen "Goetheanum" in Dornach/Schweiz. Der plastisch-organisch in Holz gestaltete Doppelkuppelbau enthält zahlreiche künstlerische Arbeiten, wie eine plastische Innengestaltung, eine Kuppelmalerei und die 9 m hohe Skulptur "Der Menschheitsrepräsentant". Im Umkreis des Goetheanums entsteht nach und nach ein Ensemble von Wohn- und Zweckbauten nach Steiners Entwürfen (Haus Duldeck, Glashaus, Verlagshaus, Heizhaus, Atelierhaus, drei Eurythmiehäuser, Transformatoren-Haus).


1914 heiratet Rudolf Steiner Marie von Sievers. Es folgen große Vortragsreisen in verschiedene Städte des In- und Auslandes über Reinkarnation und Karma, die Evangelien, das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, Mysterien-Geschichte, Evolution Zeitgeschichte u.a.

1917 erscheinen unter dem Titel "Von Seelenrätseln" Steiners Forschungsergebnisse über die Dreigliederung des menschlichen Organismus und über das Verhältnis Anthropologie und Anthroposophie.

Nach Gesprächen mit Otto Graf Lerchenfeld über die politische Stituation Mitteleuropas verfasst Steiner zwei Memoranden, in denen er Perspektiven für eine soziale Neugestaltung des öffentlichen Lebens entwickelt. Diese werden an einflussreiche politische Persönlichkeiten in Deutschland und Österreich vermittelt.

1919 erscheint eine in Zürich gehaltene Vortragsreihe über "Die soziale Frage" überarbeitet als Buch unter dem Titel "Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft". In diesem Buch wird die Idee einer Entflechtung des Einheitsstaates in ein freies Geistesleben, ein demokratisches Rechtsleben und ein assoziatives Wirtschaftsleben entwickelt, die nun in zahlreichen Vorträgen vertreten wird. Steiner engagiert sich mit Vertretern der Arbeiterschaft und Industriellen für die Begründung von Betriebsräten.

Nach intensiven Vorbereitungen wird im Herbst 1919 in Stuttgart die Freie Waldorfschule als einheitliche Volks- und Höhere Schule eröffnet. Die Schirmherrschaft liegt in den Händen des Direktors der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik, Emil Moldt. Die Leitung der Schule wird Rudolf Steiner übertragen, der diese Funktion bis zu seinem Tod 1925 inne hat.

1920-1925 Neben den vielen öffentlichen Vorträgen in Deutschland und im Ausland und den großen Vortragszyklen für Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft (u.a. "Entsprechungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos", "Anthroposophie als Kosmosophie", "Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes" und "Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge") wird Steiner immer häufiger gebeten, Vorträge und Kurse über bestimmte Fachgebiete wie Pädagogik, Medizin, Nationalökonomie, Theologie, Landwirtschaft, Schauspielkunst, Heilpädagogik, Eurythmie u.a. zu halten. Als Schulungsgrundlage für Maler schafft er eine Folge von Pastellskizzen und Aquarellbildern.

Es entstehen weitere Anthroposophische Forschungsinstitute, Kliniken und Schulen.

In den Zeitschriften "Dreigliederung des sozialen Organismus" und "Das Goetheanum" erscheinen regelmäßige Aufsätze Steiners.

In der Sylvesternacht 1922/23 wird das Goetheanum durch Feuer zerstört. Die Arbeit - Vorträge und künstlerische Veranstaltungen - wird in der Schreinerei, die vom Brand verschont bleibt, unvermindert fortgeführt.
Goeth2Für einen zweiten, in Beton gehaltenen Goetheanum-Bau (Fertigstellung 1928) kann Rudolf Steiner infolge seiner Erkrankung im Herbst 1924 nur noch ein Außenmodell schaffen.

Das Wachstum der anthroposophischen Bewegung fordert zu einer Revision der bisherigen Strukturen heraus. So kommt es an der Weihnachtstagung 1923 in Dornach zu einer Neukonstituierung der Anthroposophischen Gesellschaft, deren Vorsitz nun Rudolf Steiner selbst übernimmt, und zu einer Neugestaltung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaften, ebenfalls unter seiner Leitung.

1924-1925 Im Herbst 1924 beginnt Steiners Krankenlager. Die immens angewachsene Vortrags- und Kurstätigkeit bricht jäh ab. Während des Krankenlagers erfolgt die Fortsetzung der Niederschrift seiner Autobiographie "Mein Lebensgang". In Zusammenarbeit mit der Ärztin Ita Wegman entsteht die Schrift "Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst". In offenen Briefen und Leitsätzen wendet sich Rudolf Steiner regelmäßig an die Mitglieder und gibt ihnen Anregungen für eine spirituelle Vertiefung ihrer Arbeit.

Am 30. März 1925 stirbt Rudolf Steiner in Dornach.

 

[Quelle: Rudolf Steiner - Mein Lebensgang, herausgegeben von der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung Dornach Schweiz Seite 537 ff.]

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