Die Gliederung des Tageslaufes lehnt sich an den Atemrhythmus des Menschen an.
Wenn die Kinder ankommen, gehen sie zunächst ins Freispiel, in dem sich die Kinder ihr Spiel selbst organisieren können und in das der Erzieher nur bei Bedarf eingreift.
Diese Phase des Tagesablaufes entspricht dem Ausatmen.

Während dieser Zeit wird die gemeinsame Jause und das Mittagessen vorbereitet, bei diesen Tätigkeiten können die Kinder je nach Intention und Fähigkeit mithelfen.
Hier finden die Kinder eine familiäre Situation vor, in der sie, wie zu Hause der Mutter, bei den verschiedenen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten helfen und sich zwanglos wieder dem Spiel zuwenden können. Oft greifen Arbeit und Spiel ineinander über, bereitet z.B. der Erwachsene das Frühstück zu, möchte das Kind seinen Puppenkindern auch ein Frühstück servieren.
Durch die Nachahmekräfte, die jedes Kind hat, entsteht in ihm einerseits der Wunsch, dem Erwachsenen bei seinen verschiedenen Tätigkeiten zu helfen, andererseits lernt es hierbei, die differenziertesten grob- und feinmotorischen Fähigkeiten auszubilden, ohne dass es ihm intellektuell erklärt werden müsste. Allein der hauswirtschaftliche Bereich bietet hier eine Vielzahl von Möglichkeiten. Dazu kommt der soziale Aspekt, z.B. einige wenige kochen für alle.
Es gibt aber während der Freispielzeit auch andere Arbeitsangebote, die sich an der jeweiligen Jahreszeit orientiert z.B.
Herbst:
Dreschen - Ähren werden mit dem Finger oder mit Holzklötzchen ausgedroschen,
zu Michaeli mit der Handmühle gemahlen und zu Brot gebacken-, Marmelade wird eingekocht, Äpfel geschnitten und getrocknet,
Birnen werden geschnitten und entsaftet – dieser Birnensaft wird beim Martinsfest nach dem Laternenumzug im Freien warm getrunken -
Windräder, Fensterschmuck aus Kastanien und Eicheln, Blätterkronen, Erntekränze, Papierdrachen, Filzzwerge nähen, Martinslaternen etc.
Auch hier werden die verschiedensten Anforderungen an die Kinder gestellt, wobei wir wiederum auf die Nachahmekräfte der Kinder vertrauen, d.h. wir erklären ihnen die einzelnen Arbeitsgänge in der Regel nicht intellektuell, sondern die Kinder lernen die einzelnen Schritte durch das Vorbild des Erwachsenen, der jede Tätigkeit mit Sorgfalt, sachgemäß, logisch durchdacht und mit Spaß an der Sache ausführt.
Das Arbeitsangebot ist freiwillig.
Unsere Erfahrung zeigt, dass diese Art des Lernens gut funktioniert und die Kinder in die Lage versetzt, kognitive Abläufe nachzuvollziehen und selbständig auszuführen.

Der Schwerpunkt der Freispielzeit sollte jedoch wirklich auf dem freien Spiel der Kinder liegen (Ausatmen).
Im Freispiel ist der Schwerpunkt die soziale Interaktion, das spielerische Verarbeiten von Erlebtem ( z.B. Fernsehen, die Sinneseindrücke der Fahrt in den Kindergarten, von Konfliktsituationen etc.)aber auch der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, z.B. kunstvolles Aufbauen von Puppenspielen, Gasthaus, Kaufmannsladen, Schiffe , Flugzeuge, Rollenspiele. Dies alles und noch viel mehr hat hier seinen Platz.