Bewegtes Klassenzimmer

Kommen die schulreifen Kinder heute in die 1. Klasse, kann der Lehrer oft feststellen: es ist nicht mehr selbstverständlich, dass sie einen intensiven Umgang mit der Natur pflegen, dass sie phantasievolle Spiele miteinander zu erfinden in der Lage sind wenn es freie Zeit auszufüllen gilt, dass ihre Grund legenden Sinne gut funktionieren, dass sie sich im sozialen Miteinander kreativ und rücksichtsvoll verhalten oder auch dass sie ohne weiteres fähig sind, zuzuhören, wenn andere Menschen reden oder zu verstehen, was diese sagen wollen. Oft kommen Kinder in die Klasse, die nicht einmal satt sind, bzw. morgens nichts oder fast nichts gegessen haben und das Gespür für die Bedürfnisse ihres Körpers teilweise verloren haben.

Mit solchen Kindern nun die Schulbank zu drücken und ihnen zu erzählen, wie sie schreiben müssen oder rechnen, wäre geradeso, als ob Sankt Martin dem frierenden Bettler einen Taschenrechner in die Hand drücken würde. Schon vor mehreren Jahren haben wir Lehrer der Rudolf-Steiner-Schule Salzburg uns Gedanken gemacht, wie man die unteren Klassen so gestalten könnte, dass diese Kinder eben (im Bild gesprochen) einen noch wärmeren Mantel bekommen können als bisher. Nach mehreren Anläufen gaben wir uns nun in diesem Schuljahr einen Ruck und installierten eine vollkommen reformierte Unterstufe (erste und zweite Klasse).

Eine völlig neue Möblierung kennzeichnet jetzt die erste und zweite Klasse: Klobige Schultische und verletzungsträchtige Stühle sind verbannt. Statt dessen gibt es leicht bewegliche, vielseitige Bänke und weiche Polster, auf denen es sich in allen möglichen Lagen sitzen und spielen lässt.

Beim Spiel "Jungfrau und Drache" versucht ein Kind das andere von den Kissen (Insel) herunterzuziehen. Der blanke Boden ist das "Wasser" - in dieses darf die Jungfrau nicht kommen, sonst wird sie verschlungen... Neben dem Tastsinn werden so auch Geschicklichkeit und Kraft geübt. Aber eben auch ein kreativer und respektvoller Umgang bei körperlichen Auseinandersetzungen.