SCHULJAHR 1975/76 Die Malerin und Kunsttherapeutin GERTHA KNIRR, die in der Lebenshilfe Salzburg nach waldorfschulpädagogischen Gesichtspunkten therapeutisch mit Kindern arbeitete, ergriff die Initiative zur Gründung eines Waldorfkindergartens. Dazu holte sie die Waldorfkindergärtnerin GERLINDE HALM nach Salzburg. Zunächst wurde in der Pfeiffergasse eine Spielgruppe mit fünf Kindern gebildet. Die 76-jährige MARIA RIEGER wirkte als Helferin in der Gruppe wesentlich mit.
SCHULJAHR 1977/78 Der Waldorfkindergarten wurde nun unter der Leitung von GERLINDE HALM offiziell gegründet und im sogenannten Schweizerhaus in der Fürstenallee 19 untergebracht. Diese romantische Holzvilla lag in einem schönen Park mit alten Eichenbeständen. Als Rechtsträger wurde der "Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik" gegründet (Obfrau GERTHA KNIRR).
In den folgenden Jahren konnten Eltern und Interessenten in Vorträgen, künstlerischen Kursen und Seminaren, zu denen auch Waldorfschulpädagogen von auswärts als Dozenten geholt wurden, die Waldorfschulpädagogik näher kennen lernen.
SCHULJAHR 1978/79 Einige Salzburger besuchten wöchentlich ein mehrstündiges Waldorfschulpädagogik-Seminar unter der Leitung von JÜRGEN THEBERATH an der Linzer Waldorfschule. Begleitend dazu fanden in Salzburg wöchentliche Kurse in Eurythmie und Malen statt.
Im Jänner 1979 traf sich erstmals ein Kreis von Interessenten für eine Schulgründung.
SCHULJAHR 1979/80 Der Vorstand des Vereins organisierte nach dem Vorbild des Linzer Seminars ein wöchentliches mehrstündiges "Seminar für Waldorfpädagogik". Der wesentliche Impuls dieser Arbeit mit JÜRGEN THEBERATH war die Verwandlung des Pädagogen in einen Erziehungskünstler. Unter den durchschnittlich 20 bis 25 Teilnehmern befanden sich auch die heutigen Lehrer HELENE THÜR, MICHAEL WALTER und RAINALD GRUGGER sowie die spätere Obfrau Mag. THERESIA BITZNER.
Einige Mütter, die am Seminar teilnahmen und die Schulgründung mit vorbereiteten, meldeten ihre Kinder in den "häuslichen Unterricht" ab. Für diese fünf Kinder wurde in einem Kellerraum des Waldorfkindergartens das "Kellerschülchen" eingerichtet. Dort unterrichtete der Student RAINALD GRUGGER unter Mithilfe der Eltern die Kinder.
Die Salzburgerin SIEGLINDE WENDT, die früher Klassenlehrerin an der Rudolf-Steiner-Schule Wien gewesen war, kam zur Unterstützung der Schulgründung nach Salzburg und betreute das "Kellerschülchen" als Mentorin.
Zur Vorbereitung der Schulgründung bildete sich eine neuer Vereinsvorstand. Obmann wurde ALOIS LINDTNER, der als auf der Festung lebender und schaffender Bildhauer eine bekannte Salzburger Persönlichkeit war. Damit setzte sich die initiativ auf die Schulgründung hinarbeitende Elterngruppe um GERLINDE HALM gegenüber einigen bisherigen Vorstandsmitgliedern durch, die unter dem Einfluss führender Persönlichkeiten aus der deutschen Waldorfschulbewegung meinten, für das Entstehen einer Schule seien noch gründlichere Vorarbeiten nötig.
In den Monaten vor der Schulgründung beschäftigte sich die Gründergruppe intensiv mit den geistigen Grundlagen einer neuen Sozialgestaltung ("Soziale Dreigliederung") und Geldgebarung, wie sie RUDOLF STEINER entwickelt hatte. Später sprach man vom "Salzburger Sozialimpuls", der neben dem pädagogischen Impuls entscheidend für die Salzburger Waldorfschulbewegung wurde.
SCHULJAHR 1980/81 Im September 1980 wurde die Rudolf-Steiner-Schule Salzburg in einem Einfamilienhaus im Ortsteil Haslach bei St. Jakob am Thurn im Südosten der Landeshauptstadt eröffnet. Wesentliche Voraussetzungen dafür (Genehmigung der Schulbehörde, Schulhaus, Klassenlehrer) konnten trotz monatelanger Vorbereitung erst im letzten Augenblick geschaffen werden. Ermöglicht wurde dieses abenteuerliche Unternehmen durch Pioniergeist, Mut, Begeisterung und Einsatzfreude der Schulgründer.
Der Unterricht begann mit 29 Kindern in drei Schulstufen. Gründungslehrerin war SIEGLINDE WENDT. Eine wichtige Rolle spielte in den ersten Jahren der Schule auch CHRISTIAN HINTERBAUER (heute PLOIER), der als Klassenlehrer für die 3. Klasse gewonnen wurde.
Wesentliche Unterstützung erhielt die Schule bei ihrer Gründung und in den Aufbaujahren von dem Anthroposophen Prof. LEOPOLD MÜLLER-SALZBURG, dem Begründer der Wissenschaft der Geomechanik und der "Österreichischen Tunnelbauweise", der als Ehrenbürger der Stadt Salzburg die Türen zu den Politikern von Stadt und Land öffnete.
Bis dahin bestanden in Österreich drei Waldorfschulen: Wien-Mauer (gegründet 1966)m Linz (1977) und Klagenfurt (1979). Zur gleichen Zeit wie in Salzburg entstand auch die Waldorfschule in Graz.
Im Jahre 1981 erhielt die Schule durch das Bundesministerium für Unterricht und Kunst das Öffentlichkeitsrecht und die Eignung zur Erfüllung der Schulpflicht, sodass zusätzliche externe Prüfungen entfielen.
SCHULJAHR 1981/82 Im Sommer 1981 übersiedelte die Schule nach Salzburg-Langwied in ein wesentlich größeres Zweifamilienhaus (Maierwiesweg 7) unweit des jetzigen Schulbaus. Neben den vier Klassen konnte hier auch noch eine Kindergartengruppe untergebracht werden.
Bis zum Schuljahr 1983/84 blieb die Schule im Maierwiesweg, bald herrschte wegen der steigenden Schülerzahl jedoch großer Platzmangel.
Der "Salzburger Sozialimpuls" fand in den Aufbaujahren seine Ausprägung im Sozialkreis (später Schulforum), der dem regelmäßigen Austausch zwischen Eltern und Lehrern diente, und dem wirtschaftlichen Arbeitskreis, der die wirtschaftliche Betriebsführung auf der Grundlage der anthroposophischen Sozial- und Geldlehre zu gestalten versuchte. Die wesentlichen Anregungen dazu kamen von der GLS-Bank in Bochum und ihrem Gründer WILHELM-ERNST BARKHOFF. Im wirtschaftlichen Arbeitskreis, der anfangs insbesondere von GERLINDE HALM impulsiert wurde, wirkten THERESIA und HERBERT BITZNER, sowie HELMUT VON LEOBELL mit, die von da an für viele Jahre für die Finanzierung maßgeblich waren und im späteren Verwaltungsrat tragend mitarbeiteten. Großzügige Unterstützungen, v.a. von HANSPETER PORSCHE und HELMUT VON LOEBELL, ermöglichten neben dem Arbeitseinsatz äußerst engagierter Eltern den Aufbau der Schule.
Schuljahr 1983/84 Wegen Platzmangels mussten die ersten zwei Klassen in die Volksschule Itzling ausgelagert werden. Nun begann eine intensive Suche nach einem neuen Schulgebäude bzw. nach einem Baugrundstück. Dabei wurde erstmals bei der Stadtgemeinde wegen des jetzigen Schulgrundstücks am Söllheimer Bach an die Stadtgemeinde angefragt, worauf diese aber ablehnend reagierte.
Im Juli 1983 wurde nach mehrmonatigen Diskussionen in einer Statutenkommission ein neues Vereinsstatut beschlossen und der Trägerverein umbenannt in "Waldorfschulverein Salzburg. Verein zur Förderung der Pädagogik Rudolf Steiners". Im Jänner 1984 trat der Gründungsvorstand zurück und es bildete sich ein neuer Vorstand (von nun an als Verwaltungsrat bezeichnet). Obmann wurde der Arzt Dr. CHRISTOF URSIN.
SCHULJAHR 1984/85 Die Schule übersiedelte in das ehemalige Bayerhamergut mit angebauter, schon längst geschlossener Handschuhfabrik (Bayerhamerstraße 35). In den Sommerferien 1984 war das neue Schulgebäude mit mehreren tausend Stunden Eigenleistung der Eltern und Lehrer sowie 3 Millionen Schilliong Spenden umgebaut worden.
SCHULJAHR 1986/87 Mit der Einrichtung der 9. Klasse begann der Aufbau der Oberstufe, der vorher in einem vor allem von Eltern getragenen Arbeitskreis vorbereitet worden war. Die Klassenbetreuung der ersten Oberstufenklasse übernahm BRIGITTE PAULSEN, die ihre Erfahrung als Oberstufenlehrerin für Kunsterziehung von einer deutschen Waldorfschule einbrachte. Weiters konnten einige erfahrene ältere Kollegen zur Mitarbeit gewonnen werden. WOLFGANG TITTMANN aus Stuttgart, Dr. WALTER KRAUL und Dr. PETER GMEINDL aus München trugen in den nächsten Jahren durch regelmäßige Gastepochen in den naturwissenschaftlichen Fächern und viele wertvolle Ratschläge maßgeblich zur Entwicklung der Oberstufe bei. Besonders WOLFGANG TITTMANN, der bis 1999 in Salzburg unterrichtete und wirkte, wurde zu einem weisen Mentor unserer Schule.
SCHULJAHR 1987/88 In den vorangehenden Sommerferien musste durch einen Barackenanbau dringend benötigter weiterer Schulraum geschaffen werden (zwei Klassen, ein Eurythmie- und Musikraum). Dennoch blieb die Raumsituation nach wie vor sehr beengt. Die Klassenräume waren für die nun schon sehr großen Klassen viel zu klein.
Wiederum begannen die Suche nach einem Schulbaugrundstück und Verhandlungen mit der Stadt, wobei sich vor allem die Kontakte zu Bürgermeister JOSEF RESCHEN sehr positiv entwickelten.
SCHULJAHR 1988/89 Ein neu gebildeter Baukreis verstärkte die Vorarbeiten für ein Schulbauprojekt. Ein Ansuchen an die Stadt um das jetzige Grundstück am Söllheimer Bach in Salzburg-Langwied führte im Herbst 1988 zum Erfolg. Im Jänner 1989 beauftragte der Schulverein die Grazer Architekten WALTER JARTSCHITSCH und HERWIG MOOSBRUGGER mit der konkreten Bauplanung.
SCHULJAHR 1989/90 Die Schule führte nun erstmals eine 12. Klasse und bereitete sie mit Jahresarbeit und Klassenspiel auf den Abschluss vor. Unter den Zwölftklässlern befanden sich zwei Schüler, die bereits 1979/80 das "Kellerschülchen" als Zweitklässler besucht hatten. (Die drei anderen Schüler, die damals Erstklässler waren, beendeten die Schule ein Jahr später.)
Der Aufbau einer einzügigen zwölfklassigen Waldorfschule wurde damit nach zehn Jahren abgeschlossen und es zeichnete sich ab, dass die Schule in eine neue Entwicklungsphase trat. Der Schule wurde für alle zwölf Schulstufen das Öffentlichkeitsrecht auf Dauer verliehen. Nach einigen Inspektionen der Schulbehörde im Unterricht und bei Prüfungen erhielt die Schule die Genehmigung, den Schülern der 8. Schulstufe ein Hauptschulzeugnis auszustellen.
SCHULJAHR 1990/91 Schon länger bestehende Spannungen und Konflikte zwischen dem Kollegium und einigen Mitgliedern des Verwaltungsrates führten zu einer Erklärung des Lehrerkollegiums, dass es für die Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrat keine Basis mehr sehe. Nach schweren Auseinandersetzungen in Mitgliederversammlungen traten einige Mitglieder des Verwaltungsrates zurück. Bei der Neubildung des Verwaltungsrates wurde Fr. Mag. THERESIA BITZNER Obfrau. Sie hatte zuvor schon seit längerem die meisten anstehenden Verwaltungsarbeiten erledigt.
Durch die Arbeit der nach der Krise gegründeten Erneuerungsgruppe wurde in den folgenden Jahren im Schulverein manches neu strukturiert. Alte Einrichtungen der Pionierzeit wie z.B. der Wirtschaftliche Arbeitskreis lösten sich auf, andere, wie z.B. der Elternrat und der Verwaltungsrat konstituierten sich neu. Als neues Gremium entstand ein aus Eltern und Lehrern gebildeter Vertrauenskreis.
SCHULJAHR 1991/92 Durch einen Erlass des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst vom August 1991 wurden Schüler der Waldorfschulen nach einem erfolgreichen Abschluss der zwölften Schulstufe von einem großen Teil der Zulassungsprüfungen zur Matura befreit. Das erleichterte den bisher von Waldorfschülern beschrittenen Weg der Externistenmatura wesentlich.
Die Schulbauplanung, die durch Änderungsvorschläge des Gestaltungsbeirates der Stadt Salzburg verzögert worden war, trat jetzt in ihre entscheidende Phase. Der uns bisher als weiser alter Mann väterlich ratend zur Seite stehende Architekt REX RAAB (Engelberg/Deutschland) hatte die Intuition für das Baumotiv des Schulbaus, der Arbeitsauftrag an die bisherigen Planer wurde beendet und die Aufgabe der weiteren Planung durch die Vermittlung von REX RAAB an Archtiekt JENS PETERS vom Büro BILLING, PETERS, RUFF&PARTNER (Stuttgart) übertragen.
Mit dem überzeugenden Entwurf von JENS PETERS konnten Verhandlungen über die Baufinanzierung mit den zuständigen Politikern aufgenommen werden. Mit unermüdlichem Einsatz gelang es Mag. THERESIA BITZNER und Dr. ECKART HITSCH zu erreichen,dass je ein Viertel der Baukosten von Stadt, Land und Bund finanziert wurden, sodass vom Waldorfschulverein noch ein Viertel an Eigenmitteln aufzubringen war. Diese Sternstunde für die österreichische Waldorfschulbewegung war vor allem der Unterstützung durch den Salzburger Landeshauptmann Dr. HANS KATSCHTHALER und den Finanzreferenten der Stadt Salzburg Vizebürgermeister Dr. HERBERT FARTACEK zu verdanken. Mit Hilfe dieser Salzburger Politiker konnte auch Unterrichtsminister Dr. RUDOLF SCHOLTEN für die Finanzierung gewonnen werden. Die größten Spenden für die Eigenmittel erhielt die Schule von HANSPETER PORSCHE, HELMUT VON LOEBELL und LADISLAUS ZEITLIK.
SCHULJAHR 1992/93 Im Winter konnte mit dem Bau begonnen werden, am 27. Februar 1993, dem Geburtstag RUDOLF STEINERS, fand das Fest der Grundsteinlegung statt.
Mit einem Erlass des Bundesministeriums für wirtschaftliche Angelegenheiten vom Mai 1993 erhielten die Absolventen der Waldorfschulen die Berechtigung, alle Lehrberufe in einer um ein Jahr verkürzten Lehrzeit zu erlernen.
SCHULJAHR 1993/94 Am 22. Oktober 1993 fand am Schulneubau das Richtfest statt. Die Bauarbeiten standen unter großem Zeitdruck, da die Schule zu Beginn des kommenden Schuljahres unbedingt bezugsfertig sein musste. Dass diese Aufgabe bewältigt werden konnte, war neben der intensiven Arbeit des Baukreises insbesondere dem tatkräftigen Einsatz von Dr. ECKART HITSCH und Mag. THERESIA BITZNER sowie der ausgezeichneten örtlichen Bauleitung durch Arch. Dipl.-Ing. WOLFGANG WEISER und seinem Mitarbeiter Dipl.-Ing. RONALD SETZNAGEL zu verdanken.
Im Endausbau (Holzböden, Ausmalen, Nähen der Vorhänge, Errichtung des hölzernen Gartenbauhauses) wirkten viele Eltern engagiert mit.
SCHULJAHR 1994/95 Zu Schuljahresbeginn waren die Klassenräume bezugsfertig, sodass der Unterricht in etwas eingeschränktem Umfang im neuen Schulhaus beginnen konnte. An Fachräumen und Nebenräumen dauerten die Fertigstellungsarbeiten noch einige Wochen. Kleinere Arbeiten und die Fertigstellung der Außenanlagen beanspruchten noch längere Zeit.
Zu Michaeli, am 29. September 1994, fand die feierliche Einweihung des Schulneubaus statt.
Dass mit dem Umzug auch ein neuer Entwicklungsabschnitt für die Schule begann, zeigte sich in den nun folgenden Jahren an einigen grundlegenden Veränderungen in der Organisation und der Finanzgebarung des Schulvereins sowie an der Notwendigkeit der Lösung der Maturafrage.
Schlusspunkt der Arbeit der Erneuerungsgruppe war neben der Erstellung einer umfangreichen Geschäftsordnung die Einführung der Funktion eines Geschäftsführers. KARL RITTMANN, ein Schülervater, bekam diese Aufgabe übertragen und übte sie bis Dezember 1995 aus.
Er sollte damit einen Großteil der Arbeit von Obfrau Mag. THERESIA BITZNER übernehmen, die bisher die geschäftsführenden Tätigkeiten des nun bereits sehr umfangreichen Betriebes ehrenamtlich ausgeführt hatte. Eine Professionalisierung wurde nunmehr als dringend nötig betrachtet.
Die Hoffnung auf eine sich anbahnende Finanzierungslösung durch einen Vertrag zwischen den österreichischen Waldorfschulen und der Republik Österreich zerschlug sich, da sich die politischen Voraussetzungen grundlegend wandelten (erstes Sparbudget des Bundes). Trotz einer gewissen Erhöhung der Bundessubventionen kurz davor verweigerte das Unterrichtsministerium damit den Waldorfschulen eine ihrer pädagogischen Bedeutung entsprechende Anerkennung und eine gerechte Finanzierung ihrer von vielen österreichischen Staatsbürgern gewünschten Leistung. In den hinhaltenden Verhandlungen seit damals hat sich daran nichts geändert.
Das drohende ungeheure Budgetdefizit konnte nur durch finanzielle Verzichte der Lehrer und hohe Nachzahlungen der Eltern verhindert werden. Die schon seit längerem bestehenden Budgetprobleme wurden von nun an für die kommenden zwei Jahre zu einer handfesten Finanzkrise.
SCHULJAHR 1995/96 Zu Beginn des Schuljahres trat Mag. THERESIA BITZNER als Obfrau des Schulvereins zurück, HANSPETER ROSENLECHNER übernahm als bisheriger Obmannstellvertreter interimistisch den Vorsitz im Verwaltungsrat. Da die eingerichtete Geschäftsführung nicht in der vorgesehenen Form funktionierte, kam zur finanziellen nun eine bedrohliche organisatorische Krise. Um diese Situation zu bewältigen, übertrug der Verwaltungsrat ab April 1996 der Unternehmerin SUSANNE BÖHLING für ein Jahr die Geschäftsführung. Sie erhielt den Auftrag, den Betrieb Schule organisatorisch und wirtschaftlich neu zu gestalten. Mit dieser Tätigkeit von ihr war auch eine umfangreiche personelle Erneuerung in einigen Organen der Schule verbunden. Bisherige Mitarbeiter schieden aus, neue wurden gewonnen.
Die Verhandlungen mit dem Landesschulrat über die Einrichtung eines Maturalehrganges führten zu einem Erfolg, für den Unterricht konnten die benötigten Gymnasiallehrer gewonnen werden.
SCHULJAHR 1996/97 Der erste Maturalehrgang konnte erfolgreich durchgeführt werden. Damit wurde eine weitere Ausbaustufe der Schule zum Abschluss gebracht.
SUSANNE BÖHLING und RAINALD GRUGGER, der seit Februar 1996 Obmann des Schulvereins war, arbeiteten gemeinsam mit einigen initiativen Eltern ein neues Beitragssystem aus, das zur Rettung aus der existenzgefährdenden finanziellen Notlage ebenso beitragen sollte wie das differenzierte Budgeterstellungssystem, an dessen Entwicklung der neue Kassier FRANZ WECHSELBERGER maßgeblich beteiligt war. Bei diesen Neuerungen waren Beratungen mit verantwortlichen Mitarbeitern der Waldorfschulen von Wien-Pötzleinsdorf und Graz wesentlich. Viele Anregungen von dieser Seite wurden aufgegriffen.
Der Weg bis zum Beschluss der vorgesehenen Maßnahmen auf einer Mitgliederversammlung im Dezember 1996 war von heftigen Auseinandersetzungen im Schulverein begleitet, da manche Mitglieder meinten, das neue Modell verstoße gegen bisher gültige Ideale. Anstelle der bisher in Finanzgesprächen frei vereinbarten Beiträge, die auf der Einsicht in die Erfordernisse der Schule beruhten, sollten nun Beiträge nach Richtsätzen und in verbindlicher Beziehung zu den jeweiligen Einkommensverhältnissen treten. Weiters wurde im Statut für budgetäre Notsituationen eine anteilige Ausfallshaftung der Mitglieder eingeführt. War das nun ein Verrat am "Salzburger Sozialimpuls" der Pionierzeit oder eine notwendige Weiterentwicklung in einer anderen Entwicklungsphase der Schule? Um diese Frage wurde gerungen.
Die in der Folge vom neugegründeten Elternfinanzkreis mit den Eltern neu vereinbarten Beiträge führten zu wesentlichen Steigerungen der Einnahmen. Insgesamt gelang es im Laufe der folgenden Zeit, die angestrebte Budgetsanierung erfolgreich durchzuführen und die Budgetsituation nachhaltig zu konsolidieren.
Der bisherige Kassier HERBERT BITZNER, der seit dem Gründungsjahr der Schule mit ungeheurem Einsatz die wirtschaftliche Betriebsführung des Waldorfschulvereins gestaltet hatte, arbeitete noach weitere zwei Jahre im Vorstand mit und steht bis heute mit seinen Fachkenntnissen als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer mit Rat und Tat zur Verfügung.
Als SUSANNE BÖHLING im Frühjahr 1997 ihre Tätigkeit beendete, übernahm ein von ihr initiierter Geschäftsführungskreis die Geschäftsführungsaufgaben. Die durchgeführten Veränderungen erforderten die Erarbeitung eines neuen Statutes, das auf der Mitgliederversasmmlung im Juni 1997 beschlossen wurde. Der Begriff "Verwaltungsrat" wurde durch "Vorstand" ersetzt.
SCHULJAHR 1997/98 Die Zeit um den Schulbeginn stand vor allem im Kollegium unter dem Eindruck des Hinscheidens eines seit langem tragenden Kollegen, des Gartenbaulehrers JÜRGEN DILLMANN.
Da auch die krisenhafte finanzielle und soziale Situation des Vorjahres überwunden war, folgte nun ein ruhigeres Jahr, in dem an weiteren Verbesserungen des Erreichten gearbeitet werden konnte. Der Geschäftsführungskreis bewährte sich in der vorgesehenen Form nicht und löste sich im Frühjahr selbst auf. Der Vorstand beschloss daher, wieder zum ursprünglichen Modell eines angestellten Geschäftsführers zurückzukehren.
SCHULJAHR 1998/99 Der Eurythmielehrer CHRISTIAN KAESBACH übernahm die Aufgabe des Geschäftsführers zunächst als halbe Stelle neben seiner Unterrichtstätigkeit, ein Jahr darauf wurde die Geschäftsführungsaufgabe auf eine volle Stelle ausgeweitet. Er führte in der Folge viele weitere Verbesserungen in der Administration und in der wirtschaftlichen Betriebsführung durch, auch in der Budgetentwicklung wurden seither noch wesentliche Fortschritte erzielt. Leider mussten dabei die Lehrer wiederum Einschränkungen bei ihren Gehältern in Kauf nehmen.
Das Kollegium begann eine Arbeit an der Weiterentwicklung des Schulkonzepts, deren Höhepunkt eine Klausurtagung im Februar 1999 war. Die Moderation dieses Prozesses übernahmen die beiden Wiener Organisationsberater FRIEDRICH PLATZER und ANDREAS VON MIRBACH. In einem ersten Schritt wurde ein neues Stundenplanmodell entwickelt, das auf der Ausweitung des Epochenunterrichts vor allem in der Oberstufe auf fast alle Fächer, einer gleichbleibenden rhythmischen Struktur des Tagesablaufs und der von Eltern und Schülern eingeforderten Fünf-Tage-Woche beruht.
SCHULJAHR 1999/00 Das neue Stundenplanmodell trat in Kraft. Die Schulentwicklungsarbeit unter Anleitung von FRIEDRICH PLATZER und ANDREAS VON MIRBACH wurde fortgesetzt und führte zur Ausarbeitung von Teilen eines pädagogischen Leitbildes des Kollegiums.
Außerdem gab es Ideen zur Umgestaltung der Betriebsform der Schule in eine Unternehmergemeinschaft der Lehrer, die in der Mitgliederversammlung im Juni 2000 kontrovers diskutiert wurden. Kollegium und Vorstand beschlossen, grundsätzlich die mit dieser Idee verbundenen Möglichkeiten prüfen zu wollen.
Nach einem Kompetenzkonflikt zwischen Elternfinanzkreis einerseits und Geschäftsführer und Vorstand andererseits übernahm der Geschäftsführer ab Mai 2000 die Führung der Beitragsgespräche. Da auch im folgenden Herbst keine Einigung mit dem Elternfinanzkreis möglich war, löste sich dieser daraufhin auf.
SCHULJAHR 00/01 Im Herbst begann das 21. Schuljahr. Die im vergangenen Schuljahr begonnenen Prozesse wurden fortgesetzt. Im Herbst wurde auf Anregung der beiden Schulentwicklungsberater das Projekt Intervisionsgruppen im Kollegium zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität durchgeführt.
In der Kollegiumsklausur im Februar 2001 wurden Konzepte zur Weiterentwicklung bestimmter Bereiche der Unterstufe (1. und 2. Klasse), der Mittelstufe und der Oberstufe erarbeitet.
Vom 29. bis 31 März 2001 fanden die Feierlichkeiten zum zwanzigjährigen Jubiläum der Schule und zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen der Waldorfschulpädagogik in Salzburg statt.
Autor: Mag. Rainald Grugger (Lehrer an der Rudolf-Steiner-Schule Salzburg)