Von Regen und Raupen

Beitrag von Michael Walter

Ein Abend im Literaturhaus am 10.März 2004

Es war wieder etwas Besonderes! Zum zweiten Mal hatten Schülerinnen und Schüler der Rudolf-Steiner-Schule Salzburg im Literaturhaus Eizenbergerhof in Salzburg Lehen eigene Lyrik und Prosa präsentiert. Viele Menschen waren gekommen, der Saal konnte sie nicht alle fassen. Nicht wenige mussten im Nachbarraum mit einer Fernsehübertragung zufrieden sein.

Und es waren wieder bewegende Momente. Der Hausherr und Literat Peter Fuschelberger, also ein Profi in Sachen Literatur, sprach von einer hohen literarischen Qualität der Texte und einem professionellem Vortrag, der von dem Publikum begeistert aufgenommen wurde. Die Deutsch- und Russischlehrerin Christa Stierl, selbst eine begnadete Sprachschöpferin, hatte die Jugendlichen in der Poetikepoche bestens vorbereitet.

Junge Musiker am Klavier und am Saxophon wie auch das Vokalensemble der Maturaklasse sorgten zwischen den dichterischen Darbietungen für eine stimmungsvolle Klangkulisse.

Lesen Sie hier nun stellvertretend für das reichhaltige Schaffen einige Gedichte der jugendlichen Künstler!

Ich will zum Gedichteschreiben schreiben,
dass jedes schön ist, jeder Laut, jedes gut, jedes weich
und hart und alles.
Alles spricht die Wahrheit, was der Schreiber empfindet,
was er will, was er denkt.
Die Kunst liegt bei dem Leser,
diese Worte zu verstehen:
ein Gedicht muss kommen.
Ein Gedicht kann Mensch nicht wollen.

Walther Jungwirth, 10.Klasse

Es tropft, alles tropft.
Die Regenrinne tropft, der Flieder im garten tropft,
selbst der Hund tropft.
Noch vor einer halben Stunde schien es so,
als wolle Gott die Welt ersäufen- würde Onkel Erhard sagen.
Ein alter Pessimist, ein Mensch, der sich von seinem Gott
ohne Widerspruch ersäufen ließe.
Ich hätte ohne weiteres widersprochen,
der Grund, weswegen der Hund nun tropft.
War es schließlich eines dieser Unwetter,
bei denen man keinen Hund vor die Türe setzen sollte,
sagt Onkel Erhard.
Ich habe Gott die Stirn geboten, habe den Hund vor die Tür gesetzt.
Der Lohn: ein nasser Teppich, vollgesogen wie ein Waschlappen;
ein tropfender Hund, tropfend wie der Flieder im Garten,
tropfend wie die Regenrinne,
und ein gestärktes Ego, voll wie eine Regentonne.

Max Pfnür, 11.Klasse

Ferne. In einem weiten Land.
Faszinierend. Nah.
Auferstehung und Vernichtung
aus der Tiefe geholt.
Im Licht zerplatzt,
stark und mächtig,
trotzdem zerbrechlich.
Geheimnis waltet
in engen Klüften
unberührter Luxus.
Entdeckt zu viele Bilder,
die ungenannt fliehen.
Bebend die Erde,
donnernd ins Tal sich sammelnd.
Staub, der aufsteigt und sinkt,
wenn die Wolken auf ihn fallen.

Clara Stützle, 10.Klasse