Schulforum Mobilfunk
Vorreiter Spanien?
In Spanien traten an der Schule Garcia-Quintana in Valladolid, Nordspanien, bei vier Schülern innerhalb von 10 Monaten Krebserkrankungen auf. Drei dieser Kinder sind an Leukämie erkrankt, ein Kind an Lymphdrüsen-Krebs. Diese Kinder besuchten eine Schule, die neben einem Gebäude mit zahlreichen Mobilfunk-Antennen steht. Auch in benachbarten Wohngebieten und Bildungszentren ist es zu Krebshäufungen gekommen, (dpa 29.12.2001)
Normalerweise würde innerhalb von 20 Jahren ein einziger Fall einer Krebserkrankung bei einem Kindes auftreten. In den letzten 30 Jahren trat laut Aussage eines Lehrers an der Schule nicht ein einziger Kinderkrebsfall auf. Nun aber gab es innerhalb von 10 Monaten vier Krebsfälle.
Auch laut Aussage von Epidemiologen, die die Häufigkeit bestimmter Erkrankungen in einem bestimmten Zeitraum ermitteln ist die durchschnittliche Häufigkeit um mehr als das Hundertfache überschritten.
Inzwischen gibt es weitere Krebshäufungen in der Nähe von Mobilfunk-Antennen in
Spanien, z.B.:
Costa del Sol / Ronda (Häufung von Leukämie und anderen Krebsarten, mindestens 12 Schüler und Lehrer erkrankten in den letzten Jahren an Krebs)
Katalonien: Figueres (3 Gehimtumore bei Kindern einer Schule)
Escala 1 (Gebärmutterhalskrebs bei einer schwangeren Frau)
Escala 2 ( viele Erkrankungen, ärztliche Atteste, Diagnosen)
Region Alicante: Torrevieja (7 Krebsfälle in wenigen Monaten im Umkreis von 100 Metren um Sender) (Die Welt / 05.01.2002, www.elektrosmognews.de: ausführliche kontinuierliche Berichterstattung)
Laut Prof. Ruiz, Professor für Biophysik, Universität Oviedo, ist die Hauptursache der Krebserkrankungen bei den Kindern von Valladolid elektromagnetischer Natur. Er stützt sich nach eigener Aussage auf das Studium von 4.500 wissenschaftliche Publikationen: "Ich bin nicht gegen Zivilisation", sagt er, "aber ich möchte mich vor ihren Folgen schützen."
Auch weiter Krebsspezialisten, Kinderärzte und Epidemiologen halten es für möglich, dass die gehäuften Krebserkrankungen durch elektromagnetische Wellen ausgelöst worden sind.
Reaktionen auf die Kinderkrebs-Erkrankungen:
Die Krebserkrankungen der Kinder haben zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Hier ein paar Beispiele:
Per Gericht wurde die Abschaltung der Antennen innerhalb von drei Monaten angeordnet, (dpa 29.12.2001)
Der Verband der Einwohner- und Verbraucherorganisationen kündigte regelmäßige Montagsdemonstrationen im Stadtzentrum von Valladolid an. Gefordert wird der Abbau aller Sender in der Stadt. Die Schule in Valladolid hat sich zu einem Hauptbrennpunkt der gesellschaftlichen Ablehnung von Mobilfunk -Antennen entwickelt,
Die Bauarbeiten zur Errichtung eines Senders mussten eingestellt werden. Eine Richterin des Amtgerichts Nr. 6 Alicante, Spanien, hat ein Urteil gefällt, das in ganz Spanien bisher einmalig ist. Zum ersten Mal gab in Spanien ein Zivilgericht Anwohnern recht, die gegen die Errichtung einer Mobilfunk-Anlage klagten. Die Antenne befindet sich kaum 5 Meter entfernt von Wohnhäusern der Siedlung Los Picapiedra, Bacarot. Für die Errichtung des Senders ist die notwendige kommunale Genehmigung nicht vorhanden.
Die Richterin führte aus, dass es Aufgabe des beklagten Unternehmens sei, zu beweisen, dass das Wohnen in den Häusern der Kläger keine Gefahr darstelle. ( La Verdad, 20.04.2002)
Am 6. Mai 2002 erließ die Regionalregierung der Provinz Navarra, Spanien, ein einzigartiges Gesetz: Innerhalb von 6 Monaten müssen sämtliche bereits bestehende Mobilfunk-Sender auf Schulen und Bildungseinrichtungen beseitigt werden. Neuinstallationen sind auf Schulen verboten. Zudem müssen Mobilfunk-Betreiber zukünftig viele Auflagen einhalten, z.B. detaillierte Berichte über Sender, die sich näher als 100 Meter an sensiblen Zonen wie Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime, Parks usw. befinden. Die Mobilfunk-Betreiber müssen nachweisen, dass sie alle möglichen Maßnahmen zur Reduzierung der Strahlenbelastung getroffen haben, z.B. ausreichende Höhe und schonende Richtung. Die Regierung behält sich weitere konsequente Maßnahmen vor. Die Regionalregierung begründet das Gesetz damit, dass mittlerweile zahlreiche epidemiologische Studien über die Auswirkung von elektromagnetischen Feldern niedriger Intensität vorlägen. Die Regierung beruft sich mehrfach auf die spanische Verfassung, in der das Recht der Bevölkerung auf umfassenden Gesundheitsschutz, Vorsorge und eine gesunde Umwelt verankert sind. (Diario de Navarra, 14.05.2002)
Das portugiesische Bildungsministerium ordnet die Abschaltung und Entfernung aller Mobilfunk-Antennen von Schulen an. Dies sei eine vorbeugende Maßnahme, da zahlreiche Eltern mit Sorge auf die Kinderkrebsfälle in Valladolid reagieren. (Europa Press, 15.02.2002)
In der spanischen Stadt Montilla hat der Bürgermeister den örtlichen Mobilfunk-Betreibem ein Ultimatum gestellt: innerhalb von 30 Tagen müssen alle Mobilfunk-Antennen aus dem Stadtzentrum entfernt werden. Bei Nicht-Einhaltung des Ultimatums nimmt die Stadt den Abbruch gewaltsam vor. Zudem müssen die Betreiber eine Haftpflichtversicherung abschließen, in der sie für alle Schäden bei der Bevölkerung und der Umwelt aufkommen müssen. Die Sender dürfen nur mit einem Mindestabstand von 650 Metern vom bisherigen Standort errichtet werden. Montilla hat hierzu eine kommunale Verordnung erlassen, auch andere Städte und Orte haben ähnliche Verordnungen beschlossen und in Kraft gesetzt.
Die Betreiber haben zwar gerichtliche Schritte eingeleitet, die Jahre dauern könnten, dennoch haben diese laut Aussage des Bürgermeisters keine aufschiebende Wirkung gegen den schnellen Abbau der Antennen. Die Betreiber Amena und Airtel sind auf die Forderungen der Stadt eingegangen und wollen die neue Verordnung einhalten. (El Dia de Cordoba, ABC, 15.11.2002)
Die Krebserkrankungen der Kinder haben heftige Protestwellen gegen die Mobilfunk-Betreiber ausgelöst. Die Betreiber mussten einen riesigen Image-Verlust hinnehmen. Zahlreiche Mobilfunk-Sender mussten in Spanien per Gerichtbeschluss bereits abgeschaltet werden. Im Fernsehen wurde von mehreren Tausend Mobilfunk-Sendern gesprochen, die bereits abgeschaltet werden mussten.
Zunehmend werden für den Aufbau von Mobilfunk-Sendem erschwerende Auflagen und Verordnungen erlassen. Manche Mobilfunk-Kritiker stellen sich die Frage: Sind diese Maßnahmen der Anfang vom Ende des Mobilfunks als Massenanwendung in Spanien?